Montag, 18. Dezember 2006
Art&Graphic Magazine

Eine neue Zeichentechnik

Meine Vorliebe für die Darstellung organischer Dinge hat mich eine besondere Mischtechnik entwickeln lassen.
Mein Ziel war es, lineare Zeichnung mit malerischer Ausarbeitung auf einem Blatt zu verbinden.

Mich reizt die Vielfalt der Formen, die Spannung der Umrißlinien, der Wechsel der Strukturen, die Stofflichkeit der Oberflächen und, natürlich, das Farbspiel. Nichts scheint mir so reizvoll wie Dinge, die Individualität, bzw Unverwechselbarkeit zeigen.

Nun läßt sich gut mit dem Graphitstift der beobachteten Linie nachspüren, Struktur und Schattierung zur Darstellung bringen. Wenn aber nun, wie bei mir, das Bedürfnis besteht, die Sinnlichkeit einer Oberfläche dazu in Bezug zu setzen, dann müssen Wege gefunden werden, um aus diesen beiden Herangehensweisen, aus diesen zwei Seiten der Betrachtung, ein Ganzes zu machen.

Bei der Suche nach einer befriedigenden Lösung benutzte ich zunächst Guaschefarben, um die Objekte in ihrer mich faszinierenden Farbigkeit und Stofflichkeit zu definieren. Dies führte selten zu einem guten Ergebnis:

Der Versuch die sehr dichte und präsente Darstellung zeichnerisch aufzulösenund zu ergänzen, scheiterte in den meisten Fällen.
Immer wieder betrachtete ich Adolph Menzels Studie von Moltkes Fernglas oder entsprechende Guaschestudien von Flegel. Dabei fiel mir natürlich auf, wie sehr der Papierton an der Gesamtwirkung beteiligt war. So, wie ich meine Objekte nach ihren reizvollen individuellen Merkmalen auswählte, so mußte ich nun schmerzlich feststellen, dass Papier ein Massenprodukt ist und – wie gut auch immer seine Qualität sein mag, den optischen Reiz eines solchen "alten" Papieres nicht erreicht.

Nicht umsonst hat Horst Janssen aus alten Büchern unbedruckte Blätter geplündert! Der Zeichner liebt nun einmal nicht das Glatte und muß damit eigentlich gezwungenermaßen ein Feind alles Genormten sein. Sein Auge hat eben gerade Freude an spannender Vielfalt der Formen, an Verfalls- und Zerrottungsprozessen unterschiedlichster Art, da entfaltet sich seine "Sehlust", wie Janssen das nennt. Wieviel interessanter sind strapazierte, alte Schuhe als funkelnagelneue, die weder die Spuren des Gebrauchs, noch Ihres Besitzers tragen.

Auf der Suche nach einer befriedigenden Lösung war die Entdeckung der Sennelier Oelpastellkreiden für mich ganz entscheidend. Die hochwertigen Pigmente, die Weichheit der Konsistenz, ergeben eine herrliche Oberflächenwirkung, die der Darstellung organischer Dinge, wie von Früchten, Hölzern u.s.w., entgegenkommt.
Das Material war für mich so verblüffend, weil es eine Erarbeitung von Stoffllichkeit und Charakter meiner Objekte ermöglicht, wie sie mir auf diese Weise mit Oelfarbe, selbst von sehr guter Qualität, bisher nicht gelungen war.

Es kommt auch ein eigener sinnlicher Charakter des Materials hinzu, der mich immer noch fasziniert. Wunderschöne, differenzierteste Farbabstufungen machen ein sensibles Erfassen der beobachteten Farbklänge möglich.

So kam es zu Arbeiten, bei denen das ganze Blatt mit diesem Material gestaltet wurde – für mich sehr schöne, befriedigende Ergebnisse.
Aber, was war nun mit meinem Vorhaben, farbliche und stoffliche Definition des oder der Objekte mit einer mehr zeichnerischen Herangehensweise zu verbinden, und das auf einem Blatt? Bei dem Arbeitsprozess, einen Grundton erst einmal mit einer Oelpastellkreide anzulegen, entstand das Bedürfnis den Abrieb der Oelpastelle zu minimieren. Der Versuch, dies mit einem Tuch durch Verreiben zu erzielen, brachte kein befriedigendes Ergebnis. Erst die Anwendung feiner Stahlwolle war überzeugend. Das so vorbereitete Blatt bietet eine sehr reizvolle Grundlage für Zeichenstudien.

Die nächste Entdeckung geschah durch das Experimentieren mit den Polychromos Farbstiften auf der so grundierten Fläche. Die Farbstifte, schon seit jeher von mir wegen ihren intensiven und reichen Farbtönen geschätzt, entwickelten in dieser Kombination für mich unbekannte Eigenschaften: Der weiche Abrieb wird noch farbsatter und geschmeidiger, der Stift geht mit der Grundierung eine innige Verbindung ein und ermöglicht dadurch eine Dichte bei dem Erarbeiten von Farbabstufungen, wie sie sonst nur mit flüssiger Farbe zu erreichen ist. Es eröffneten sich Möglichkeiten zur Darstellung eines Detailreichtums , wie es mit dem doch im Abrieb recht breiten Oelpastellstift kaum möglich ist. Die Wiedergabe kompliziertster Detailbeobachtungen erfuhr ich zudem als verblüffend leichter beherrschbar als mit flüssiger Farbe und mittels eines feinen Pinsels. Dies ist auch einer der Gründe für den Erfolg dieser Kombination bei meinem Unterricht im Naturstudium.
Damit hatte ich ich mein Ziel erreicht: Die Kombination von Sennelier Oelpastellkreiden und Polychromos Farbstiften von Faber Castell ermöglicht mir auf einem Blatt, lineare Zeichnung mit malerischer Ausarbeitung zu verbinden.

Eine höchst spannende Angelegenheit!


Ingeborg Hollmeyer

1/ 2007
Regjo, Das Regional-Journal für Südostniedersachsen

Farbenspiel mit Stift und Kreide

In ihrem Braunschweiger Atelier im Magniviertel unterrichtet die Künstlerin Ingeborg Hollmeyer Schüler im Zeichnen.
Seit Neuestem vermittelt sie dabei eine Technik aus Grundierung und Farbeinsatz, die sie selbst entdeckt hat.

 
Spät gab sie ihrem größten Wunsch nach: Mit 35 Jahren und bereits als Mutter zweier Kinder begann Ingeborg Hollmeyer ein Kunststudium an der Hochschule für Bildende Künste. Der Druck, dem sie sich damit aussetzte, war enorm. Die Familie, viel Stress und wenig Zeit – es erschien nur logisch, den Blick zu konzentrieren auf das Wesentliche, das Einfache: auf Stillleben. So war es möglich, das große künstlerische Bedürfnis zu stillen. Wobei Ingeborg Hollmeyer bescheiden blieb. Sie selbst hielt sich schon damals nicht für „eine geniale Künstlerin mit bahnbrechender Begabung“, sondern eher für eine Besessene. Stets und ständig war und ist sie darauf aus, in der unendlichen Vielfalt organischer Formen Neues zu entdecken.
Und entdeckt hat Ingeborg Hollmeyer, die in ihrem Braunschweiger Atelier im Magniviertel auch unterrichtet und Ausstellungen präsentiert, während ihrer Arbeit noch etwas anderes: Versuchsweise setzte sie Ölpastellkreide anstatt als Farbmittel zunächst nur als Oberflächengrundierung ein und experimentierte auf der so vorbereiteten Fläche mit Farbstiften. Das Ergebnis war verblüffend: „Diese Art von Stiften ist normalerweise sehr porös im Abrieb und schwer zu beherrschen. Auf dem mit Ölkreide grundierten Blatt werden die Stifte aber geradezu geschmeidig und erreichen eine Farbintensität wie sonst höchstens mit flüssiger Farbe.“
Für ihre eigene Arbeit bedeutet dies, dass Hollmeyer nun in der Lage ist, Details darzustellen, die ein Zeichner mit dem Stift nicht herausarbeiten kann. Es entsteht die Möglichkeit einer offen gelassenen Zeichnung, lineare Studien können mit malerisch gestalteten Bildelementen harmonisch verbunden werden. Für ihre Schüler wiederum ist es eine ebenso wertvolle Technik: „Durch die Grundierung können Vorzeichnungen immer wieder weggewischt werden. Anstatt also Entwürfe auf einem Blatt und die Ausführung auf einem weiteren zu erstellen wie üblich, können Skizzen und Komposition auf einem einzigen Bogen gearbeitet werden.“
Dies will Ingeborg Hollmeyer nun möglichst vielen zugänglich machen. Die von ihr entwickelte Technik hat sie sich patentrechtlich schützen lassen. Neben ihren Braunschweiger Schülern sollen demnächst auch Zeichenfreudige in Berlin davon profitieren. Derzeit arbeitet sie dort am Aufbau einer zweiten Zeichenschule. Auch die Hersteller der beiden Produkte, der Farbstifte und der Ölkreide, hat sie inzwischen von ihren Erfahrungen in Kenntnis gesetzt. Und beide waren von den farbsatten, dichten Arbeiten gleich so begeistert, dass Ingeborg Hollmeyer demnächst an einem Buch mitarbeiten wird. „Mit dieser Technik“, da ist sie sich sicher, „muss kein Laie mehr Angst davor haben, Farben zu mischen; und dabei vielleicht noch in grellen Kitsch abzurutschen.“

Dienstag, 1. Juli 2003
Helmstedter Nachrichte
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Detailgetreue Protokolle einer Zwiesprache

Ausstellung in Galerie am Berg, Königslutter: Stilleben und Naturstudien von 37 Zeichenschülern aus dem Atelier Hollmeyer

Zum Abbilden der Wirklichkeit braucht man Zeit und Ruhe, zumal dann, wenn diese Arbeit nicht mit elektronischen Hilfsmitteln, sondern mit Papier und Stift ausgeführt wird. „Die Dinge in Ruhe anschauen und zeichnen”, das ist der Ansatz, den Ingeborg Hollmeyer in ihrem Braunschweiger Atelier ihrem Zeichenunterricht zugrunde legt. Die Ergebnisse sind seit Sonntag in der Galerie am Berg in Königslutter zu sehen. Ausgeführt wurden sie von 37 Berufs- und Hobby-Künstlern jeden Alters, vornehmlich Frauen, die das Zeichnen für sich als eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung oder Entwicklung der eigenen Kreativität entdeckt haben.
Die Kunst besteht bei den Schülerinnen und Schülern von Ingeborg Hollmeyer zunächst darin, das ausgewählte Motiv in Größe, Form, Farbe und Struktur zu erfassen, es dann möglichst ralitätsnah zeichnerisch auf Papier zu bringen. So sind denn in der neuen Ausstellung in der Galerie am Berg auf dem Gelände des Niedersächsischen Landeskrankenhauses häufig Stilleben zu entdecken mit Dingen aus Heim und Garten.
Überraschend in den Bildern ist die filigrane Umsetzung, das Herausarbeiten der kleinsten Details. Perspektive und Lichtreflexe sind stimmig, manche Darstellungen so naturgetreu gelungen, dass der Betrachter geneigt ist, die Dinge wie Blüten, Beeren, Tomaten, Granatäpfel, Birnen, Kartoffeln, Hagebutten und Kirschen zu erfühlen oder zu probieren.
Die Trennung von Zeichnen und Malen, das Linienziehen einerseits und Ausbreiten in die Fläche andererseits wird bei Hollmeyers Schülern durch einen Kunstgriff nahezu aufgehoben: Eine von der braunschweiger Künstlerin entwickelte und inzwischen patentierte Papiergrundierung ermöglicht es, dass sich zum Beispiel die in einem Buntstift enthalten Farbstoffe mit dem Untergrund verbinden. Das Spröde geht verloren, es entsteht ein Effekt wie bei der Ölmalerei, allerdings ohne deren vermeintliche Schwere und ohne Trocknungsprozesse.
Das Zeichnen sei eine meditative Situation, bei der man Zwiesprache mit dem Objekt halte. „Die hier gezeigten Ergebnisse sind das Protokoll einer Zwiesprache”, stellt Hollmeyer heraus.


Den Bildern fehlt vordergründig eine Stellungnahme der Urheber, zumal sie auf Verfremdung verzichten. Dennoch ist ihnen neben dem Illustrativen Charakter eine gewisse Thematik nicht abzusprechen. Wer genau und vor allem in Ruhe hinsieht, wird Aussagen und Wunschvorstellungen sehr wohl entdecken.


Jürgen Paxmann

Montag, 12. Januar 2004
Braunschweiger Zeitung

Gelassenheit läßt Früchte wachsen

Botanischer Garten Braunschweig zeigt Arbeiten aus dem Atelier Hollmeyer

Wo könnte diese Ausstellung besser hinpassen als in das Torhaus des Botanischen Gartens Braunschweig? Die mit Liebe zum Detail gestalteten Zeichnungen zeigen filigrane Blüten oder schwellende Früchte.
Urheberinnen der Arbeiten sind zwölf Frauen, die gemeinsam im Atelier Hollmeyer ihren künstlerischen Interessen nachgehen.
Es ist schon eine bemerkenswerte Idee, die Ingeborg Hollmeyer in die Tat umsetzt. Die Rechtsanwältin mit abgeschlossenem Studium und Diplom der Hochschule für Bildenden Künste hat dafür gesorgt, dass Menschen ihre künstlerisch-kreativen Interessen entdecken und entwickeln können. In einem Fachwerkhaus im braunschweiger Magniviertel treffen sich die Interessenten zum Gedankenaustausch sowie bei Mal- und Zeichenkursen. Außerdem finden dort auch Ausstellungen bekannter Künstler statt.
Ingeborg Hollmeyer sorgt dafür, dass die bei den Lehrgängen entstandenen Arbeiten nicht einfach sang- und klanglos in Mappen und Schubladen verschwinden. Vielmehr sorgt sie dafür, dass die Kursteilnehmer ihre Arbeiten auch außerhalb des Ateliers öffentlich ausstellen können.
Bei den Lehrgängen geht es vornehmlich um realistische Darstellungsweisen.
„Dinge in Ruhe anschauen und zeichnen” heißt die Devise. Sie setzt damit einen kreativen Kontrapunkt zur Hektik des Alltags.
Den Ergebnissen kommt das offenbar sehr zugute. Das beweist die Ausstellung im botanischen Garten. Die Zeichnungen sind nie plakativ, sondern spiegeln sichtlich einen schöpferischen Prozess. Die Auseinandersetzung mit den Motiven und die angemessene Umsetzung der dabei subjektiv gewonnenen Erkenntnisse bestimmen die Ergebnisse. Wer sich selbst davon überzeugen möchte, kann dies bis zum 8. Februar. Das Torhaus an der Humboldtstraße ist täglich außer sonnabends von 10 bis 14 Uhr, montags bis freitags auch von 16 bis 18 Uhr geöffnet. Wer sich über das ungewöhnliche Kunstprojekt informieren möchte, sollte im Internet unter www.atelier-hollmeyer.de nachsehen.


Jens Krone